Erfurt-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Erfurt-Lese
Unser Leseangebot

Tanja Langer
Meine kleine Großmutter & Mr. Thursday oder Die Erfindung der Erinnerung
Roman

Träumen, Erfinden, Erinnern: Ein großer Roman über eine kleine Frau

Ich habe meine Großmutter gekannt, aber ich wusste nicht, dass sie es war. Linda, Übersetzerin aus dem Persischen, lässt sich gern von ihren Träumen lenken, und so findet sie sich eines Tages in Lüneburg wieder: Dort lebte ihre kaum gekannte Großmutter Ida unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, geflohen aus Oberschlesien, verwitwet, mit fünf Kindern. Knapp eineinhalb Meter groß, arbeitete sie für den »Direktor des englischen Kinos«. Dieser Halbsatz entzündet Lindas Phantasie, und schon ist sie mitten in der Zeit der britischen Besatzung, von 1945 bis 1949: Ida verliert ihren Mann, Ida schrubbt Wäsche für die Tommys, und Ida begegnet Mr. Thursday. Sie fängt bei ihm im »Astra Cinema« an und merkt vor lauter Begeisterung für die Filme kaum, dass er sich in sie verliebt … Das Kino wird zum Gegenbild für die raue Wirklichkeit, durch die Ida und ihre kleine Rasselbande sich als »Flüchter« durchboxen, mit Einfallsreichtum, der Kraft der Träume und der Liebe, die sie verbindet. Indem Linda aus Sehnsucht nach der Großmutter, die sie nicht hatte, zu deren Erzählerin wird, verändert sie sich selbst – und erzählt noch dazu die Geschichte einer ganzen Epoche.

Haus zum Stötzel

Haus zum Stötzel

Andreas Schareck

Das „Haus zum Stötzel“ passt sich im Baustil an den „Breiten Herd“ an. Es wurde aber ca. 300 Jahre später im Stil der Neorenaissance nach Plänen des Architekten Carl Frühling erbaut. Im Giebel steht in Goldschrift die Jahreszahl 1892. Im Unterschied zum „Breiten Herd“ fehlen leuchtende Farben, denn Ende des 19. Jahrhunderts war dies nicht modern. Allein Goldtöne setzen gelungen Akzente am Haus. Auch hier steht auf der Giebelspitze wieder ein gerüsteter Mann. Weitere Figuren zieren die Fassade. Eine Madonna auf der Mondsichel stehend hält den Jesusknaben im Arm. Merkur symbolisiert Kunsthandwerk und Handel, eine weibliche Allegorie das Kunstgewerbe. An den Sinnenfries des Nachbarhauses schließt sich hier ein weiteres Reliefband an.

Der Bildhauer Adalbert Deutschmann verkörperte die vier Tugenden nach Platon in Frauengestalt. Die Gerechtigkeit (iustitia), die Klugheit (prudentia), die Tapferkeit (fortitudo) und die Genügsamkeit (temperantia). Als 1925 die Handwerkskammer das „Haus zum Stötzel“ und das „Haus zum Breiten Herd“ erwarb, prägte sich für das Ensemble der Name „Gildehaus“.


*****

Fotos: T. Romstedt

Text: Andreas Schareck, Erfurt; mdv Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale), 2014, S. 55

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Paulsturm
von Tina Romstedt
MEHR
Rathaus am Fischmarkt
von Hannah Vivaldi
MEHR
Haus zum Sonneborn
von Winfried Neubert
MEHR
Johannesturm
von Tina Romstedt
MEHR

Haus zum Stötzel

Fischmarkt 14-16
99084 Erfurt

Detailansicht / Route planen

Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen