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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Baugeschichte Alte Synagoge

Baugeschichte Alte Synagoge

Maria Stürzebecher

Die Alte Synagoge hat eine bewegte Baugeschichte, die nicht nur die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Erfurt im Mittelalter widerspiegelt, sondern auch von späteren Umnutzungen des Gebäudes zeugt: Die ältesten Mauerteile in der Westwand stammen bereits aus dem ausgehenden 11. Jahrhundert und sind der erste Beleg einer jüdischen Gemeinde in Erfurt überhaupt. Wie das Gebäude in dieser frühen Zeit aussah, lässt sich heute nicht mehr exakt rekonstruieren. Gleiches gilt für die zweite Bauphase aus dem 12. Jahrhundert. Erhalten hat sich wiederum lediglich ein kurzes Stück Mauer in der Westwand mit einem Doppelfenster (Biforium) aus Sandstein.

Um 1270 ließ die jüdische Gemeinde unter Einbeziehung der älteren Gebäudeteile einen hohen, repräsentativen Synagogenbau errichten. Die Schaufassade im Westen mit fünf Lanzettfenstern und einer großen Fensterrosette prägt noch heute entscheidend das Erscheinungsbild der Synagoge. Den hohen Innenraum überspannte ein hölzernes Tonnengewölbe. Kurz nach 1300 wurde die Synagoge um einige Meter nach Norden erweitert und aufgestockt. Der Anbau besaß eine symmetrisch gegliederte Fassade mit der Synagogenpforte und fünf ehemals sehr hohen Lanzettfenstern, und beherbergte möglicherweise die traditionell vom Gebetsraum der Männer abgetrennte Frauensynagoge oder diente als Schule für den Hebräischunterricht der Knaben.

Nach dem verheerenden Pogrom von 1349, bei dem auch an der Synagoge schwere Schäden entstanden waren, brachte die Stadt Erfurt das Gebäude an sich und verkaufte es anschließend an einen hiesigen Händler. Er wandelte die Synagoge in ein Lagerhaus um, indem er einen Gewölbekeller einbaute, zwei massive Holzdecken einzog und einen neuen Dachstuhl errichtete. Diesem Umbau fiel fast die gesamte Ausstattung der Synagoge zum Opfer: Die Bima wurde zerstört, ebenso der Toraschrein in der Ostwand, wo sich seit Mitte des 14. Jahrhunderts eine große Tordurchfahrt befindet. Allein das umlaufende Lichtergesims ist noch heute in Resten erhalten. Auf ihm standen Lampen oder Kerzen zur Beleuchtung der Synagoge während des Gottesdienstes.

Seit dem späten 19. Jahrhundert hat man die ehemalige Synagoge gastronomisch genutzt und dementsprechend umgestaltet: Es entstanden ein Tanzsaal, Küchen- und Gasträume und sogar zwei Kegelbahnen. Durch diese Veränderungen sowie durch Anbauten auf allen Seiten des Gebäudes war lange Zeit die ursprüngliche Gestalt der Synagoge kaum mehr erkennbar. Daher blieb das Gebäude in der allgemeinen Wahrnehmung so gut wie unbekannt, glücklicherweise auch während des Dritten Reiches. Erst seit den späten 1980er Jahren rückte die Synagoge wieder in das öffentliche Interesse und ab 1992 untersuchte Bauhistoriker Elmar Altwasser das Bauwerk. 1998 erwarb die Stadt Erfurt das Gebäude, das sie in den darauf folgenden Jahren sanieren ließ. Mit der Einrichtung eines Museums zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Erfurts im Mittelalter hat die Synagoge heute wieder eine angemessene Nutzung gefunden.

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Vorschaubild: Stadt Erfurt; Atelier Papanfuss.

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