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Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Waidanbau und -verarbeitung in und um Erfurt

Waidanbau und -verarbeitung in und um Erfurt

Christine Albach

Schon im alten Ägypten wurde Waid von den Menschen genutzt. Mit Waid wurden die Mumienbänder gefärbt, dies diente dem Fernhalten von Pilzen und Bakterien. Kleidung, die mit Waid gefärbt war, hielt Insekten fern und verringerte so die Ansteckungsgefahr mit Krankheiten. Und in Griechenland entdeckte Hippokrates die Bedeutung des Waids für die Medizin.
gelbblühende Waidpflanze und Hinweistafel im Hof des Erfurter Waidspeichers
gelbblühende Waidpflanze und Hinweistafel im Hof des Erfurter Waidspeichers

Bereits im Jahr 795 wird in der Landgüterordnung Karls des Großen Waid in Verbindung mit Flachs und Wolle genannt und lässt auf den Anbau in dieser Zeit schließen. Mit der aus der Pflanze gewonnenen kräftigen indigoblauen Farbe wurden Textilien aller Art eingefärbt. Zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert prägte der Färberwaid (Isatis trinctoria L.) wie keine andere Kulturpflanze das Wirtschaftsleben Thüringens. In dem Gebiet zwischen den Städten Erfurt, Langensalza, Gotha, Arnstadt und Weimar bildete sich ein geschlossenes Anbaugebiet heraus.

Das trockene und warme Klima des Thüringer Beckens mit seinen kalkhaltigen und tiefgründigen Keuper- und Muschelkalk-Verwitterungsböden ermöglichten die Erzeugung von Waid hoher Qualität. Die besondere Färbekraft des Thüringer Waids sorgte für eine große Beliebtheit bei den Färbern.  

Im Gegensatz zum schnellen Wuchs der Waidpflanze standen die harte Ernte und die komplizierte Verarbeitung. Im mittelalterlichen Thüringen wurde im Januar oder März ausgesät, so konnte zu Pfingsten oder Ende Juni geerntet werden. Geerntet wurden die Waidblätter von den Bauern durch das Abstoßen mit dem Waideisen. Da diese Arbeit kniend erledigt werden musste, dauerte es lange und war sehr mühsam. Zudem durfte die Wurzel nicht beschädigt werden, um erneute Austriebe und Erträge (2-3 weitere) zu gewährleisten. Danach folgte die zeitaufwändige Verarbeitung des Rohwaids. Zunächst wurden die Blätter unter fließendem Wasser gewaschen und anschließend auf Wiesen zum Trocknen und Anwelken ausgelegt. Auf Waidmühlen in Erfurts Umgebung wurden die angewelkten Blätter zerquetscht und zerrieben, bis sie eine breiartige Masse ergaben. Aus dieser Waidmasse formten die Bauern faustgroße Kugeln, die Waidballen. Diese mussten aushärten bevor sie als Halbfabrikat in den Waidhandel auf den Erfurter Markt kamen. Dort erwarben sogenannte Waidhändler die Ballen zur Weiterverarbeitung.

Um Waidpulver herzustellen, wurden die Ballen von den Waidknechten zunächst zerschlagen und zu Haufen geschüttet. Durch das Begießen mit Unmengen von Wasser, setzte man den Gärungsprozess in Gang. Durch anschließendes Trocknen und Sieben entstand das fertige Waidpulver. Nun musste es nur noch in Fässer gefüllt werden, bevor es seine Reise zu seinem Bestimmungsort antreten konnte. Die Stadtwappen auf den Fässern dienten nicht nur zur Bestimmung der Herkunft, sondern auch als Gütesiegel. Das Erfurter Rad galt als besonders hochwertiges Siegel.

 

Selbst das Färben mit dem Waidpulver war ein kompliziertes Unterfangen. Damit sich der blaue Farbstoff aus dem Pulver löste, wurde verschiedene Stoffe hinzugegeben: Kleie, Krapp, Pottasche und Urin. Und damit genug Urin vorhanden war, tranken die Knechte eine Menge Alkohol. Hiervon leitet sich auch die Redensart „blau sein" ab. Am nächsten Tag waren die Knechte nicht mehr in der Lage zu arbeiten und machten blau. Die Wendung „blau machen" stammt vermutlich auch vom Nichtstun der Knechte in der letzten Phase des Färbevorgangs ab, denn die gefärbten Stoffe mussten nun nur noch in der Sonne trocknen, damit durch Oxidation die blaue Färbung entstand.

 

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Fotos: Romi Tennstedt