Erfurt Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.erfurt-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Johannes E. R. Berthold
Die Bunte-Kinder

wahrhaftige Geschichten aus einer wundervolle Kindheit auf dem Land

Alte Universität zu Erfurt

Alte Universität zu Erfurt

Anette Huber-Kemmesies

Die Studentenbursen dienten mittellosen Studenten als Unterkunft.
Die Studentenbursen dienten mittellosen Studenten als Unterkunft.

Besonderheiten der Erfurter Universität

Die Geschichte der Universität Erfurt ist eine bewegte. Im Jahre 1389 auf Antrag der Stadt gegründet und 1392 für den Studienbetrieb eröffnet, zählt die Universitas Studii Erfordiensis zu den ältesten Universitäten Deutschlands. Bis zu ihrer Schließung im Jahre 1816 trug sie auch den Namen Hierana, was soviel wie „an der Gera liegend" (hiera: lat. für Gera) bedeutet. Neben der Kölner Universität war die Hierana die einzige städtische Universität; eine Besonderheit, denn alle anderen Universitäten wurden durch Fürsten gegründet.

Auch zählte sie zu den Volluniversitäten, was bedeutet, dass alle gängigen Fakultäten und Studiengänge, wie Theologie, Jura, Medizin, als auch die Sieben Freien Künste, bestehend aus Grammatik, Rhetorik und Dialektik bzw. Logik sowie Arithmetik, Astronomie, Geometrie und Musik angeboten wurden. Als erste Hochschule auf deutschem Boden bot sie Studenten die Möglichkeit, neben Kirchenrecht (kanonisches Recht) auch bürgerliches Recht zu studieren.

Das "Haus zur Steinecke" zählt zu den ältesten Häusern der Stadt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde es der Universität gestiftet und diente als Studentenhospital.
Das "Haus zur Steinecke" zählt zu den ältesten Häusern der Stadt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde es der Universität gestiftet und diente als Studentenhospital.

Humanistisches Zentrum

Wegen dieser Besonderheit und nicht zuletzt auch ihrer zentralen Lage wegen avancierte die Hierana bald zu den bedeutendsten humanistischen Universitäten im deutschsprachigen Raum. Dies war wohl auch ein Grund für Martin Luther hier zu studieren. Neben dem Reformator soll auch der Erfinder des europäischen Buchdrucks Johannes Gutenberg hier immatrikuliert gewesen sein, was aber nicht eindeutig belegt ist.

Für die Ausbildung ihrer Studenten wurden hoch ausgebildete Lehrkräfte engagiert, wie etwa der Humanist Peter Luder, der von 1460–1462 hier lehrte, als auch Helius Eobanus Hessus, der nach seinem Studium in Erfurt eine Professur für Latein an der Hierana erhielt. Nach ihm wurde auch ein Schreibwettbewerb benannt, der 2001 von der Stadt und der Engelsburg ins Leben gerufen wurde und seitdem jährlich den Eobanus-Hessus-Preis an Thüringer Jungautoren vergibt.
Im Kreise der Erfurter Gelehrten entstanden 1517 die sogenannten Dunkelmännerbriefe, eine satirische Streitschrift gegen die Scholastiker in Briefform.


Niedergang

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts sollte die Universität ihrem geschäftigen Betrieb nachgehen. Ein
jähes Ende erfuhr sie im Jahre 1816. Durch die Unterstellung des Fürstentums Erfurt unter Napoleon nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im 1806 und die folgenden politischen Unruhen in Verbindung mit der Gründung der Berliner Universität, sanken die Zahlen der Studierenden stetig. Die Erfurter
Universität wurde auf eine Anordnung Preußens hin geschlossen. Ein Schicksal, das mehrere kleine Universitäten traf.

Pädagogisches Studium

Ca. 113 Jahre gab es in Erfurt keinen Studienbetrieb mehr, bis im Jahre 1929 die in der Hochschultradition
Erfurts fast vergessene Pädagogische Akademie Erfurt seine Pforten für angehende Volksschullehrer öffnete. Die landesweiten Volksschulen gaben denjenigen, denen aufgrund ihres gesellschaftlichen Standes eine höhere Bildung verwehrt war, die Möglichkeit einer allgemeinen Schulbildung. Die Ära dieser
Akademie war aber kurz, denn schon 1932 wurde sie wegen der steigenden Inflation während der Weltwirtschaftskrise wieder geschlossen.

Im Jahre 1953 wurde dann das Pädagogische Institut (PI) Erfurt gegründet, sowie 1954 die Medizinische Akademie Erfurt, an der die Absolventen auch die Möglichkeiten einer Promotion und Habilitation hatten. Letztere bestand bis 1993.

Standort des PI Erfurt wurde das heutige Campusgelände in der Nordhäuser Straße gegenüber dem Helios
Klinikum. Die sich auf dem Campus befindenden Lehrgebäude wurden in den 1950er und 60er Jahren für den Hochschulbetrieb errichtet. Nach dem Zusammenschluss des Pädagogischen Instituts Erfurt mit dem Pädagogischen Institut Mühlhausen im Jahre 1965 hatte Erfurt wieder eine Hochschule. Diese Pädagogische Hochschule wurde nach dem Lehrer Dr. Theodor Neubauer benannt.

Seit Ende 2011 erstrahlt das erwürdige Collegium Maius in neuem Glanze.
Seit Ende 2011 erstrahlt das erwürdige Collegium Maius in neuem Glanze.

Neugründung der Universität

Ab 1987 setzten sich die Bürger der Stadt für die Neugründung einer Universität ein. Dieser Plan konnte
aber erst nach der deutschen Wiedervereinigung in die Tat umgesetzt werden und zunächst entstand 1991 die Fachhochschule Erfurt. Im Jahre 1994 erfolgte dann die Gründung einer geistes- und sozialwissenschaftlichen Universität. Der Studienbetrieb wurde zum Wintersemester 1999/2000 aufgenommen. Im Jahre 2001 wurde dann auch die bestehende Pädagogische Hochschule in die Universität integriert. Seit 2003 übergab die Katholische Kirche die theologische Lehre der Universität, womit eine vierte Fakultät entstand.

Seither zieht es viele angehende Wissenschaftler und Lehramtsanwärter nach Erfurt, nicht nur wegen der fehlenden Studiengebühren. Die Universität Erfurt zeichnet sich durch ein praxisorientiertes Bildungskonzept, durch ihre Familienfreundlichkeit bezüglich der Kinderbetreuung, sowie durch die ausgezeichnete Betreuung der Studenten durch Mentoren und Tutoren aus. Letzteres ist wohl der Größe der Universität gezollt, denn mit ihren rund 5.000 Studenten der verschiedenen Fachrichtungen kann eine adäquate Betreuung während des Studiums gewährleistet werden. Auch kann sie mit weiteren Institutionen die Lehre und Forschung betreffend brillieren: Neben dem Max-Weber-Kolleg und der Willy-Brandt-School of Public Policy, verfügt die Universität Erfurt über eine große Bibliothek, die mit der
Forschungsbibliothek Gotha vernetzt ist.  

Somit ist sie die jüngste als auch eine der ältesten Universitäten Deutschlands. Und man kann auch heute
noch getrost Martin Luther zitieren, der einmal sagte: „Wer gut studieren will, der gehe nach Erfurt."