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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Wolframstatue im Dom

Wolframstatue im Dom

Vor dem Chor des Erfurter Domes steht in Bronze gegossen ein bärtiger Mann. Er trägt zwei Leuchter in den Händen und einen im Nacken. Die beinah lebensgroße Statue stammt aus der Zeit um 1150. Seit 1425 befindet sie sich im Besitz des Domes, jedenfalls ist sie seither nachweislich dort erfasst. Ob sie die 300 Jahre zuvor auch dort oder an ganz anderer Stelle stand, ist ungewiss.

Die Figur ist unter dem Namen Wolfram bekannt, weil auf ihrem Gürtel die Namen Wolfram und Hiltiburc zu lesen sind. Man geht heute allgemein davon aus, dass es sich bei den beiden Namen wohl um das Stifterehepaar handelt. Dass das Standbild den Stifter selbst darstellt, halten Historiker heute für absurd und ausgeschlossen. Es sei jedenfalls undenkbar, so Religionshistoriker Jörg Rüke, dass sich ein Stifter (maximal ein König oder Bischof) öffentlich selbst aufstellen hätte dürfen.

1940 war noch die Stifterfiger herangezogen. Ähnlich wie Ludwig Bechstein in seiner Sage verbreiteten die  Schulmänner Dr. Künzel und Rektor Leineweber folgende Erklärung:

„Das eherne Bildnis wird der Wolfram genannt. Man erzählt, ein reicher Bürger namens Wolfram habe sich eines großen Vergehens schuldig gemacht; dafür sei ihm als Kirchenbuße auferlegt worden, ein Jahr lang täglich vor dem Altare zu stehen und während der Messe zwei brennende Kerzen mit ausgestreckten Armen zu halten. Dies versuchte Wolfram auch zu tun, aber er hielt es nicht lange aus. Da ließ er sein Bild in Erz gießen und schenkte es dem Dom. So war sein Vergehen gesühnt."

 

Bisher ist nicht geklärt, um wen es sich bei der Darstellung wirklich handelt. Stellt die Figur einen Büßer oder Propheten, den Johannes oder gar Jesus als Lichtbringer dar.

2016 brachte Jörg Rüpke eine neue These, es wäre durchaus möglich, dass das Standbild eine Aarondarstellung sei. Wer sagt, dass sie immer Kerzen getragen habe, ebenso hätten es Thora-Rollen sein können. Immerhin verweist Rüpke auf eine Erfurter Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, die einen Aaron in gleicher Weise  zeigt. 

Im Mai will Jörg Rüpke in einem Aufsatz weitere Informationen gaben. Wir dürfen gespannt sein.

 

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Quelle: Schulrat Dr. Kürsten/ Rektor Leineweber (Hrsg.): O du Heimatflur. Eine Heimatkunde der Stadt Erfurt in Einzelschriften. Heft 1. Erfurter Sagen, Kenser´sche Buchhandlung Erfurt (ca. 1940)


Foto: T. Romstedt