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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

Von der Uhr auf dem Nikolai – Turme

Von der Uhr auf dem Nikolai – Turme

An der Lehmannsbrücke erhebt sich ein hoher schlanker Turm, an dessen Dache man zwei Glocken gewahrt. Die größere dieser Glocken zeigte einst die Stunden an und wurde von der Hand des Türmers besorgt, während die kleinere mit der Turmuhr in Verbindung stand und ein viertel, halb und drei viertel, aber niemals voll schlug. Das hat sich das Volk so erklärt:

Vor alten Zeiten ging es einmal in der guten Stadt Erfurt recht unruhig zu. Das Volk war den Patriziern aufsässig, und es war große Feindseligkeit zwischen dem Rat und der Gemeinde. Da kam es soweit, dass die Bürger des Johannes- und Andreasviertels sich verschwuren, in einer Nacht schlag 12 Uhr die Junker zu überfallen und sie zu ermorden. Schon waren die bewaffneten Scharen in der Nähe der Nikolaikirche versammelt und warteten mit Ungeduld des Glockenschlages; aber sie warteten vergebens. Der verabredete Überfall war den Gegnern verraten worden, und sie hatten nicht nur die Uhr angehalten, sondern auch alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, dem Angriffe zu begegnen. Zum Andenken daran ließ der Rat die Turmuhr verändern, dass sie nie mehr voll schlug.

 

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Fotos: T. Romstedt

Überlieferungen gefunden in:
Schulrat Dr. Kürsten/ Rektor Leineweber (Hrsg.): O du Heimatflur. Eine Heimatkunde der Stadt Erfurt in Einzelschriften. Heft 1. Erfurter Sagen, Kenser´sche Buchhandlung Erfurt (ca. 1940)

 

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