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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Große Armbrust

Bis zum Jahre 1830 schmückte den großen Saal des alten Rathauses außer anderen Waffen und Wehren des mittelalterlichen Erfurt auch eine riesige Armbrust, deren Bügel eine Spannweite von 1 ½ Metern hat. Sie hängt jetzt im Museum.

Die Größe dieser alten Schusswaffe, mit der man einst von den Mauertürmen Pfeile weithin geschleudert hatte, war der Anlass, dass man in späteren Jahren, als diese Art zu schießen abgekommen war, meinte, es müsse mit dieser großen Armbrust eine besondere Bewandtnis haben. Daher erzählt man sich über sie folgendes:

In alter Zeit stand innerhalb der Stadtmauern neben anderen Zeichen der Gerichtsbarkeit auch der Galgen, an dem man Frevler zum Tode beförderte. So wirkte er das, was er sollte: er hielt manchen von Mord und Diebstahl zurück. Aber es war den Bürgern der Stadt doch ein peinlicher Anblick, mochte einer am Galgen hangen oder nicht.

Als die Stadt nun immer volkreicher ward, musste man den Raum innerhalb der Stadtmauern zu Wohnungen ausnutzen und dann auch die Mauer weiter hinaus verlegen. Bei dieser Gelegenheit sollte auch der Galgen aus der Stadt geschafft werden.

Da schlug ein Bürger vor, er möge soweit von der Stadt entfernt aufgestellt werden, als man mit der großen Armbrust zu schießen vermochte. Und so geschah es.

Die Waffe wurde an den „langen Steg" gebracht, der über den Breitstrom führte, wo jetzt die Schlösserbrücke steht. Sechs Männer spannten den Bogenstrang der riesigen Armbrust; ein großer eiserner Pfeil ward aufgelegt und nach Osten abgeschnellt. Auf dem Stollberge, dicht an der Straße nach Kerspleben, fiel das Geschoß zu Boden: - dort baute man den Galgen auf und nannte den Berg Galgenberg.

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Überlieferungen gefunden in:

Schulrat Dr. Kürsten/ Rektor Leineweber (Hrsg.): O du Heimatflur. Eine Heimatkunde der Stadt Erfurt in Einzelschriften. Heft 1. Erfurter Sagen, Kenser´sche Buchhandlung Erfurt (ca. 1940)

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