Erfurt-Lese

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Florian Russi
Papier gegen Kälte

Manfred Hoffmann, ehemals Klassenbester, ist ein angesehener Kinderarzt mit eigener Praxis und strebt nach dem Professorentitel. Stets bemüht, allen in ihn gesetzten Erwartungen zu entsprechen, steuert sein Leben in eine Sackgasse. Die jahrelange wissenschaftliche Arbeit erweist sich plötzlich als vergebens, sein Karriereaufstieg ist gefährdet, seine Ehe gescheitert, alle Erwartungen enttäuscht. Auf der Suche nach Genugtuung und nach Rechtfertigung begibt er sich auf Wege, die gefährlich weit in die Netze der organisierten Kriminalität ziehen.

Eine packende Mischung aus Entwicklungsroman und spannendem Thriller.

auch als E-Book erhältlich

Große Armbrust

Bis zum Jahre 1830 schmückte den großen Saal des alten Rathauses außer anderen Waffen und Wehren des mittelalterlichen Erfurt auch eine riesige Armbrust, deren Bügel eine Spannweite von 1 ½ Metern hat. Sie hängt jetzt im Museum.

Die Größe dieser alten Schusswaffe, mit der man einst von den Mauertürmen Pfeile weithin geschleudert hatte, war der Anlass, dass man in späteren Jahren, als diese Art zu schießen abgekommen war, meinte, es müsse mit dieser großen Armbrust eine besondere Bewandtnis haben. Daher erzählt man sich über sie folgendes:

In alter Zeit stand innerhalb der Stadtmauern neben anderen Zeichen der Gerichtsbarkeit auch der Galgen, an dem man Frevler zum Tode beförderte. So wirkte er das, was er sollte: er hielt manchen von Mord und Diebstahl zurück. Aber es war den Bürgern der Stadt doch ein peinlicher Anblick, mochte einer am Galgen hangen oder nicht.

Als die Stadt nun immer volkreicher ward, musste man den Raum innerhalb der Stadtmauern zu Wohnungen ausnutzen und dann auch die Mauer weiter hinaus verlegen. Bei dieser Gelegenheit sollte auch der Galgen aus der Stadt geschafft werden.

Da schlug ein Bürger vor, er möge soweit von der Stadt entfernt aufgestellt werden, als man mit der großen Armbrust zu schießen vermochte. Und so geschah es.

Die Waffe wurde an den „langen Steg" gebracht, der über den Breitstrom führte, wo jetzt die Schlösserbrücke steht. Sechs Männer spannten den Bogenstrang der riesigen Armbrust; ein großer eiserner Pfeil ward aufgelegt und nach Osten abgeschnellt. Auf dem Stollberge, dicht an der Straße nach Kerspleben, fiel das Geschoß zu Boden: - dort baute man den Galgen auf und nannte den Berg Galgenberg.

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Überlieferungen gefunden in:

Schulrat Dr. Kürsten/ Rektor Leineweber (Hrsg.): O du Heimatflur. Eine Heimatkunde der Stadt Erfurt in Einzelschriften. Heft 1. Erfurter Sagen, Kenser´sche Buchhandlung Erfurt (ca. 1940)

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