Erfurt Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.erfurt-lese.de
Unser Leseangebot

Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Wolframstatue im Dom

Wolframstatue im Dom

Vor dem Chor des Erfurter Domes steht in Bronze gegossen ein bärtiger Mann. Er trägt zwei Leuchter in den Händen und einen im Nacken. Die beinah lebensgroße Statue stammt aus der Zeit um 1150. Seit 1425 befindet sie sich im Besitz des Domes, jedenfalls ist sie seither nachweislich dort erfasst. Ob sie die 300 Jahre zuvor auch dort oder an ganz anderer Stelle stand, ist ungewiss.

Die Figur ist unter dem Namen Wolfram bekannt, weil auf ihrem Gürtel die Namen Wolfram und Hiltiburc zu lesen sind. Man geht heute allgemein davon aus, dass es sich bei den beiden Namen wohl um das Stifterehepaar handelt. Dass das Standbild den Stifter selbst darstellt, halten Historiker heute für absurd und ausgeschlossen. Es sei jedenfalls undenkbar, so Religionshistoriker Jörg Rüke, dass sich ein Stifter (maximal ein König oder Bischof) öffentlich selbst aufstellen hätte dürfen.

1940 war noch die Stifterfiger herangezogen. Ähnlich wie Ludwig Bechstein in seiner Sage verbreiteten die  Schulmänner Dr. Künzel und Rektor Leineweber folgende Erklärung:

„Das eherne Bildnis wird der Wolfram genannt. Man erzählt, ein reicher Bürger namens Wolfram habe sich eines großen Vergehens schuldig gemacht; dafür sei ihm als Kirchenbuße auferlegt worden, ein Jahr lang täglich vor dem Altare zu stehen und während der Messe zwei brennende Kerzen mit ausgestreckten Armen zu halten. Dies versuchte Wolfram auch zu tun, aber er hielt es nicht lange aus. Da ließ er sein Bild in Erz gießen und schenkte es dem Dom. So war sein Vergehen gesühnt."

 

Bisher ist nicht geklärt, um wen es sich bei der Darstellung wirklich handelt. Stellt die Figur einen Büßer oder Propheten, den Johannes oder gar Jesus als Lichtbringer dar.

2016 brachte Jörg Rüpke eine neue These, es wäre durchaus möglich, dass das Standbild eine Aarondarstellung sei. Wer sagt, dass sie immer Kerzen getragen habe, ebenso hätten es Thora-Rollen sein können. Immerhin verweist Rüpke auf eine Erfurter Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, die einen Aaron in gleicher Weise  zeigt. 

Im Mai will Jörg Rüpke in einem Aufsatz weitere Informationen gaben. Wir dürfen gespannt sein.

 

----

Quelle: Schulrat Dr. Kürsten/ Rektor Leineweber (Hrsg.): O du Heimatflur. Eine Heimatkunde der Stadt Erfurt in Einzelschriften. Heft 1. Erfurter Sagen, Kenser´sche Buchhandlung Erfurt (ca. 1940)


Foto: T. Romstedt

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Erfurter Hauptbahnhof
von Anette Huber-Kemmesies
MEHR
Willy Brandt in Erfurt
von Anette Huber-Kemmesies
MEHR
Mittelalterliche Redewendungen
von Anette Huber-Kemmesies
MEHR
Weinbau in Erfurt
von Romi Tennstedt
MEHR