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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Zitadelle Petersberg

Nach dem Abzug Napoleons im Jahre 1814 hatten die Preußen die Zitadelle Petersberg für ihre Zwecke noch ausgebaut, dabei die Geschützkaponnieren, die Pulvermagazine und die Defensionskaserne hinzugefügt. Nur etwa fünfzig Jahre später hatte die Festung ausgedient. Das Ende der Kleinstaaterei in Deutschland machte die Erfurter Zitadelle ebenso wie zahlreiche andere Festungen bedeutungslos und Kaiser Wilhelm I. gab 1873 den Befehl zur Entfestigung Zum Glück wurden damals (es heißt aus Geldmangel) nur zwei Rivalins und Teile der Bastion Gabriel abgetragen, so dass die Zitadelle Petersberg fast vollständig bestehen blieb. Doch beginnen wir am Anfang!

 

Anno 1664, nur wenige Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, fasste der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn den Plan, über Erfurts Dächern eine Festung zu errichten. Bis zu diesem Zeitpunkt befanden sich auf dem Petersberg eine Königspfalz und ein benediktinisches Kloster, das Peterskloster. Wozu nun eine militärische Anlage, werden Sie fragen. Etwa zu Erfurts Schutze? – Nein, ich glaube nicht. Er brauchte wohl eher einen sicheren Sitz, von dem aus er die Erfurter in Schach halten konnte.

Was einen Geistlichen zu solchen Maßnahmen treibt? Nun ich will kurz berichten: Erfurt unterstand seit dem 8. Jahrhundert dem Erzbistum Mainz, hatte aber aufgrund seines finanziellen Wohlstandes im Laufe der Zeit eine gewissen Eigenständigkeit erworben und strebte nach einer vollständigen Lösung von seinem Landesherren. Im Zuge der Reformation und der allgemeinen Bauernunruhen versuchten die Erfurter Bürger daher ihren katholischen Oberhirten abzuschütteln.
So stürmten und zerstörten sie zusammen mit den Bauern der Umgebung 1525 alles Mainzische innerhalb der Stadt und zogen sogar auf den Petersberg, um das dortige Kloster zu besetzten. Im Vertrag von Hammelburg fanden der Rat der Stadt und der Erzbischof von Mainz fünf Jahre später zwar zu einem Kompromiss, doch der Konflikt schwelte weiter und brach von Zeit zu Zeit neu aus.

Im Dreißigjährigen Krieg kamen die Schweden in die Stadt und bauten die Stadt zu einer Festung aus. Sie besetzten auch den Petersberg und planten sogar, die günstige Lage dieses Berges zu nutzen und ein Kastell darauf zu errichten. Doch dazu kam es nicht. Statt der Schweden setzte der Mainzer den Plan in die Tat um. Nachdem er mithilfe französischer Truppen 1664 die Erfurter endlich wieder zur Anerkennung seiner Herrschaft zwingen konnte, brauchte er, um seine Herrschaft dauerhaft zu sichern, ein uneinnehmbares Bollwerk gegen die gut befestigte Stadt. In den Jahren 1665–1702 entstand so hoch über der Stadt die Zitadelle, die in sich weiterhin das Peterskloster beherbergte.

Einhundert Jahre darauf war es um die Mainzer Vorherrschaft geschehen. Die Preußen besetzten 1802 den Petersberg und um mehr Platz für ihre Besatzung zu gewinnen, lösten sie das Kloster kurzerhand auf. Doch lange konnten sie hier nicht verweilen. Schon nach vier Jahren mussten sie die Festung den französischen Truppen Napoleons überlassen und konnten diese erst 1814 nach Abzug der Franzmänner erneut in ihren Besitz nehmen.

Ob Erster Weltkrieg, ob Nationalsozialismus – trotz deutscher Reichsgründung und dem Entfestigungsbefehl blieb die barocke Festung auf dem Petersberg bis ins zwanzigste Jahrhundert unter militärischer Nutzung. Nach 1945 waren die Staatssicherheit und die Volkspolizei hier untergebracht. Zumindest ein Teil des Geländes (nämlich die Bastionen Leonhard und Kilian sowie das dazwischen liegende Kommandantenhaus) war ab 1963 für die Öffentlichkeit begeh- und beschaubar.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist viel an dem Gelände getan worden. Ehemals zugeschüttete Gräben sind nun wieder freigelegt, über Jahre zugewachsenes Land neu erobert, die alten Horchgänge für die Besucher begehbar gemacht, die alten Mauern restauriert. Heute gilt der Petersberg als eines der bedeutendsten Denkmäler Thüringens. Sie gilt als eine der wenigen weitgehend erhaltene barocke Stadtfestung Mitteleuropas und ist für Erfurter und Touristen ein Anziehungspunkt. Für Besucher bietet ein Fackelgang durch die Horchgänge oder der Ausblick von der Bastion „Leonard" auf die Stadt ein besonderes Erlebnis.

 

Weitere Artikel:

Die Kirche auf dem Petersberg – Die Peterskirche

Das ehemalige Peterskloster

mehr Bilder vom Petersberg

 

 

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Fotos: Tina Romstedt