Erfurt-Lese

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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Eine Irin 1836 im preußischen Erfurt

Eine Irin 1836 im preußischen Erfurt

Nadine Erler

Die irische Autorin Maria Frances Dickson (*1809) [1] begleitete 1836 ihre nicht wesentlich ältere Tante, die bekannte britische Schriftstellerin Henrietta Georgiana Chatterton (*1806), und deren Mann Sir William Abraham Chatterton auf eine Reise durch Deutschland (Hessen-Thüringen-Sachsen). Ihre Erlebnisse schilderte sie in dem zweibändigen Werk Souvenirs of a Summer in Germany in 1836, das 1837 in London erschien und das sie ihrer Tante widmete [2].

Preußischer Adler an der Hauptpost Erfurts.
Preußischer Adler an der Hauptpost Erfurts.

Ihre Eindrücke von Erfurt stammen aus einer Zeit, in der die Stadt zu Preußen gehörte. Als Folge der Napoleonischen Kriege kam Erfurt 1802 unter preußische Herrschaft, was im preußisch-französischen Vertrag 1802 vereinbart worden war. Die Herrschaft der Preußen dauerte zunächst bis 1806 (Niederlage Preußens gegen Napoleon), es folgte die französische Besatzungszeit und 1815 die Wiederinbesitznahme durch Preußen. [3] Sie schreibt über Erfurt:


"Erfurt sieht gut aus, wenn man sich ihm nähert. Es bedurfte nicht der schwarz-weißen Streifen auf der Barriere, um uns zu zeigen, dass wir wieder auf dem Gebiet der preußischen Krone waren. Als Erstes fielen uns die starken Befestigungen auf, die für uns etwas Neues waren – wir hatten keine mehr gesehen, seit wir Mainz verlassen hatten –, dann die Anzahl der Angehörigen des Militärs, die überall verstreut sind. Die Garnison in Erfurt ist das Quartier von viertausend Soldaten, man darf also annehmen, dass überall – wo man auch hinsieht – ein Soldatenhelm aus einem Fenster hervor schaut oder in der kleinen Straße aufblitzt. Die Kasernen, Wachhäuschen und all die anderen Merkmale militärischer Präsenz im Land, das Madame de Staël [4] une vaste caserne nennt, die Bauern im nationalen Blau und der preußische Adler über jedem Laden und jedem Gasthaus waren „Beweis, so stark“[5], dass andere hätten fehlen können."



Anmerkungen:

[1] Auf der Seite British Travel Writing (http://www4.wlv.ac.uk/btw/authors/1041) wird „ca. 1810“ als Geburtsjahr der Autorin genannt, laut war es 1809 (https://www.geni.com/people/Maria-Smith/6000000095498018865).

[2] Beide Bände sind online zugänglich. -- Die Deutschland-Erinnerungen von Dicksons Tante erschienen unter dem Titel "Home Sketches And Foreign Recollections": https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.3901504....

[3] Weiterführender Link zum Thema: https://www.erfurt-web.de/Preussen_Erfurt.

[4] Germaine de Staël (1766–1817), besser bekannt als „Madame de Staël“, französische Schriftstellerin.

[5] William Shakespeare, Othello, 3. Akt, 3. Szene, zitiert nach der Übersetzung von Wolf Graf Baudissin.


* * *

Übersetzung aus dem Englischen: Nadine Erler

Fotos: T. Romstedt


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