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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Eine Irin 1836 im preußischen Erfurt

Eine Irin 1836 im preußischen Erfurt

Nadine Erler

Die irische Autorin Maria Frances Dickson (*1809) [1] begleitete 1836 ihre nicht wesentlich ältere Tante, die bekannte britische Schriftstellerin Henrietta Georgiana Chatterton (*1806), und deren Mann Sir William Abraham Chatterton auf eine Reise durch Deutschland (Hessen-Thüringen-Sachsen). Ihre Erlebnisse schilderte sie in dem zweibändigen Werk Souvenirs of a Summer in Germany in 1836, das 1837 in London erschien und das sie ihrer Tante widmete [2].

Preußischer Adler an der Hauptpost Erfurts.
Preußischer Adler an der Hauptpost Erfurts.

Ihre Eindrücke von Erfurt stammen aus einer Zeit, in der die Stadt zu Preußen gehörte. Als Folge der Napoleonischen Kriege kam Erfurt 1802 unter preußische Herrschaft, was im preußisch-französischen Vertrag 1802 vereinbart worden war. Die Herrschaft der Preußen dauerte zunächst bis 1806 (Niederlage Preußens gegen Napoleon), es folgte die französische Besatzungszeit und 1815 die Wiederinbesitznahme durch Preußen. [3] Sie schreibt über Erfurt:


"Erfurt sieht gut aus, wenn man sich ihm nähert. Es bedurfte nicht der schwarz-weißen Streifen auf der Barriere, um uns zu zeigen, dass wir wieder auf dem Gebiet der preußischen Krone waren. Als Erstes fielen uns die starken Befestigungen auf, die für uns etwas Neues waren – wir hatten keine mehr gesehen, seit wir Mainz verlassen hatten –, dann die Anzahl der Angehörigen des Militärs, die überall verstreut sind. Die Garnison in Erfurt ist das Quartier von viertausend Soldaten, man darf also annehmen, dass überall – wo man auch hinsieht – ein Soldatenhelm aus einem Fenster hervor schaut oder in der kleinen Straße aufblitzt. Die Kasernen, Wachhäuschen und all die anderen Merkmale militärischer Präsenz im Land, das Madame de Staël [4] une vaste caserne nennt, die Bauern im nationalen Blau und der preußische Adler über jedem Laden und jedem Gasthaus waren „Beweis, so stark“[5], dass andere hätten fehlen können."



Anmerkungen:

[1] Auf der Seite British Travel Writing (http://www4.wlv.ac.uk/btw/authors/1041) wird „ca. 1810“ als Geburtsjahr der Autorin genannt, laut war es 1809 (https://www.geni.com/people/Maria-Smith/6000000095498018865).

[2] Beide Bände sind online zugänglich. -- Die Deutschland-Erinnerungen von Dicksons Tante erschienen unter dem Titel "Home Sketches And Foreign Recollections": https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.3901504....

[3] Weiterführender Link zum Thema: https://www.erfurt-web.de/Preussen_Erfurt.

[4] Germaine de Staël (1766–1817), besser bekannt als „Madame de Staël“, französische Schriftstellerin.

[5] William Shakespeare, Othello, 3. Akt, 3. Szene, zitiert nach der Übersetzung von Wolf Graf Baudissin.


* * *

Übersetzung aus dem Englischen: Nadine Erler

Fotos: T. Romstedt


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