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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

Goethes Osterspaziergang

Goethes Osterspaziergang

Johann Wolfgang von Goethe

Ostern, die Auferstehung, der Neubeginn.      "Weg ins Licht" Gemälde von Edith Born
Ostern, die Auferstehung, der Neubeginn. "Weg ins Licht" Gemälde von Edith Born

Wer kennt ihn nicht, den „Osterspaziergang" Goethes, der den Rückzug des Winters und die neu erwachende Lebendigkeit und Lebenslust thematisiert. Vom Aufbruch der Menschen aus der Dunkelheit ist die Rede, von ihrem Streben ins Licht. Die Frühlingssonne und die erwachende Natur stehen für einen Neubeginn.
Die Verse stammen aus Goethes Drama „Faust”. Im Akt „Vor dem Tor" (der Tragödie erster Teil) ist es die Figur Faust selbst, die diese Verse spricht. Noch wenige Stunden zuvor noch hatte er aus dem Leben scheiden wollen, doch nun befindet er sich auf einem Spaziergang mit seinem Gehilfen Wagner und begegnet den Menschen, ihren Gesprächen, ihrer Freude.
Er selbst bleibt allerdings nur Beobachter, in seinem Monolog reflektiert er das Geschehen und vergleicht das Erwachen der Menschen, ihr Streben ins Sonnenlicht und ihr lebendiges Treiben am Ostersonntag, mit der Auferstehung Jesu.

Vermutlich ist es mehr Dichtung als Wahrheit, dass Goethe bei der Niederschrift des Osterspaziergangs die einstigen Geraauen vor der Stadt Erfurt vor Augen gehabt hatte. Belegt ist jedoch, dass er hier öfter zu Besuch bei Karl Friedrich von Dacheröden und dem einstigen Stadthalter, Karl Theodor Dalberg, gewesen war. Mit letzterem soll er auch Spaziergänge in den Steigerwald und durch die Geraauen unternommen haben. Dass der historische Dr. Faust öfter auch in Erfurt weilte, davon sprechen die Sagen. Hier heißt es „er [Faust] stand zu Erfurt in großem Ansehen. Sooft er die Stadt aufsuchte, pflegte er auf der Hohen Schule zu lesen."

Wenn Sie das nächste Mal im Erfurter Luisenpark oder auf dem Bachstelzenweg entlang der Gera in Richtung Bischleben spazieren, lassen Sie sich doch die Verse Fausts bzw. Goethes durch den Kopf gehen.

Romi Tennstedt

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Get&uuuuml;mmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Vor dem Tor)