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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Burkardts Raben

Burkardts Raben

Um den Mönch Burkardt oder Becker aus dem Kloster Schulpforta ranken sich viele Legenden. So soll er für den verheerenden Brand im Jahre 1472 verantwortlich gewesen sein. Die folgende Sage beschreibt nun die Hinrichtung des Mönches im Steiger, wo sich heute noch ein Steinkreuz befindet. Zentrales Thema, neben der Hinrichtung selbst und der Ergreifung seiner Helfer, sind die Raben, die Burkardt als Engel bezeichnet haben soll. Die Symbolik dieser im Polytheismus verehrten Tiere hat sich im Zuge der Christianisierung zum Negativen gewandelt. So werden sie nicht mehr als Symbole der Weisheit verehrt, sondern als Boten des Bösen und Unheils verachtet. Dies verleiht dem Charakter des Mönches besonderen Ausdruck.

Anette Huber-Kemmesies

„Nachdem der Mönch Burkardt dem Henker übergeben war, führte ihn dieser vor den Graden vor Gericht und sprach über ihn sein Urtheil. Dann führte er ihn in den Fahrweg, band ihn an eine Säule und riß ihn 21 mal mit glühenden Zangen, so daß man ihn in den Leib sehen konnte und fragte ihn und sprach: Herr, erbarmet es euch nicht, daß ihr die zwei Stifter sammt andern Gotteshäusern so erbärmlich verderbet habt? Nein, antwortete der Schelm, sondern es jammert mich, daß nicht vollends das Peterskloster auch in Grund abgebrannt ist. Wann das geschehen wäre, wollte ich desto lieber sterben. So ward er vor die Stadt geführt und mit noch zweien andern, die ihm geholfen hatten, auf einen Holzstoß gesetzt. Derselben einer war ein Schneider. Dem hatte der Mönch nicht mehr, denn einmal zu essen gegeben, da er ihm Wache hielt, als er bei S. Veit das Feuer selbst angelegt. Als man den Mordbrenner aber angebunden hatte, kamen viel großer, schwarzer Raben herzugeflogen. Die sahe der Möche und sprach: „Da kommen meine lieben Engel, die wollen mich holen." Also stand er, und ward mit den zweien lebendig verbrannt. Danach bekam man seiner Gesellen noch vier, die mußten auch ins Feuer und soll einer von dieser Rotte in einen Gasthof in Naumburg gekommen sein und des Nachts im Schlafe geschrieen haben: Ach du armes Erfurt! Woraus man gemutmaßet, er möchte das Feuer selbst angelegt haben, und hat er´s, da man ihn ergriffen, bald bekannt. Zwei aber kamen davon. (Hogel S. 64)"

 

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Quelle: Heinrich Kruspe: Sagenbuch der Stadt Erfurt, Gesamtausgabe von 1877

Bild: pambieni_pixelio

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