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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Zur Geschichte des Erfurter Hirschgartens

Zur Geschichte des Erfurter Hirschgartens

Tina Romstedt

Ursprünglich war der Hirschgarten in den 1730er Jahren angelegt und mit Bäumen bepflanzt worden. Dem damaligen Statthalter Anselm Franz Ernst Freiherr zu Warsberg war an einer umfriedeten Freifläche gegenüber  der Kurmainzischen Statthalterei gelegen. Daher setzte er u.a. sein Privatvermögen für den Kauf und den Abriss der bisher auf diesem Areal befindlichen Häuserzeilen ein und  schaffte sich somit ein Stück  Natur inmitten der Stadt.  Auf seinen Wunsch hin wurde in dem Gelände sogar Rotwild angesiedelt.


Rund 40 Jahre später ließ Statthalter Karl Theodor von Dalberg das Wild entfernen und den Hirschgarten für die Öffentlichkeit zugänglich machen und Ende des 18. Jahrhunderts darin einen Botanischen zu Garten errichten.

ehemaliges Kriegerdenkmal im Hirschgarten. Postkarte von 1908
ehemaliges Kriegerdenkmal im Hirschgarten. Postkarte von 1908

Der Mode der Zeit entsprechend zierten ab  1827 antike Götter und mythische Gestalten aus Stein den Hirschgarten. Die Statuen hatte man dem aus dem Molsdorfer Schlossgarten entnommen. Ab 1876  – einer Zeit, in der der Nationalismus zum guten Ton gehörte – schmückte eine imposante Säule den Hirschgarten. In 15 Metern Höhe breitete ein überdimensionierter goldener Adler seine Flügel aus. Mit dem Blick Richtung Westen triumphierte der Reichsadler über die französische Niederlage 1771, bis er Mitte des 20. Jahrhunderts selbst vom Sockel gestürzt  wurde. Anstelle des Kriegerdenkmals sprudelt seit 1956 ein großer Springbrunnen.

1985 hatte man begonnen, die alten Häuser auf der Ostseite der Eichenstraße abzureißen. Ein „Haus der Kultur" sollte im Zentrum von Erfurt entstehen. Dem emporwachsenden Beton-Stahl-Koloss wurde das westliche Wachhaus und ein Teil der Grünfläche geopfert. 
Das „Schiffshebewerk" verschlang fast 60 Millionen DDR-Mark und wurde mit Eintritt der Wende  gestoppt.
Noch einige Jahre stand der missglückte Bau unfertig und ungenutzt, bis 1996 der Beschluss zum Abriss mit Tiefenenttrümmerung gefasst wurde und die entstandene riesige Baugrube ihrer neuen Bestimmung harrte.

Der Hirschgarten wird neu gestaltet
Der Hirschgarten wird neu gestaltet
Im Jahre 2008 wurde die Baugrube verfüllt und das westliche Wachhäuschen wieder errichtet. Die beiden Wachhäuser verweisen auf die einstige Größe des historischen Hirschgartens. Nach Westen hin hat sich der Park nun vergrößert, ein neuer Stadtraum ist hinzugekommen, der das ehemalige  Hirschgartengelände sowohl ergänzt, ihm aber auch als Kontrastpunkt entgegensteht.
 
 
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Bild 1: Postkarte von 1908, gemeinfrei
Foto 2: Tina Romstedt
Teaser: Tina Romstedt

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