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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Michaelisstraße

Michaelisstraße

Romi Tennstedt

Eine der bis heute lebendigsten Straßen der Erfurter Altstadt ist die Michaelisstraße. Sie führt vom Benediktsplatz in Richtung Nordwesten zur Moritzstraße, wo die Stadt einst endete. Sie kann sie auch als „Steinerne Chronik der Stadt″ bezeichnen, denn sie ist von Gebäuden verschiedener Jahrhunderte gesäumt.

Die Alten Synagoge beispielsweise, die man erst in den 90er Jahren entdeckte und die den gefundenen jüdischen Goldschatz in ihrem Keller beherbergt, wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Die Mauern der Michaeliskirche, die der Straße ihren Namen gab, erzählen Geschichten aus dem 13. Jahrhundert, während das Gemäuer des ihr gegenüberliegenden Collegium Maius der alten Universität Lieder aus dem 14. Jahrhundert pfeift. Bürgerhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert vervollständigen das Ensembel. Ob Renaissance, Barock oder Gotik, die Michaelisstraße spielt das gesamte Repertoire.

Das Haus Zum (güldenen) Krönbacken ist eine steinerne Chronik für sich. Das ehemaliges Handelshaus ist um 1200 entstanden und hat über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Veränderung, also Um- und Anbauten erfahren. Die ältesten Hausteile sind heute noch in Keller und Erdgeschoss zu sehen.

Das Haus zu großen Waage zeugt noch heute vom einstigen regen Handelsverkehr, der sich in früheren Zeiten durch die Michaelisstraße bewegte. Pferdefuhrwerke gibt es heute keine mehr, doch ist die Straße meist gut gefüllt mit Touristen und Einheimischen.

Was nur wenige wissen: Diese Straße hat auch Bedeutung für die Reformation. Martin Luther hatte sie als Student auf dem Weg zur Universität täglich durchschritten und 1507 wurde er in der Michaeliskirche zum Priester geweiht. Auch seine Schriften und neuen Kirchenlieder sind in der, ebenfalls in Michaelisstraße befindlichen Druckerwerkstatt der Familie Sachse gedruckt worden.

Wo sich früher der Geruch von Druckerschwärze, Bierbrauerei und Pferdemist mischte, bietet sich dem heutigen Besucher eine rege Kneipenstraße mit verschiedenen Lokalitäten, kleineren Geschäften und besonderen Flair.

Da wäre das Erlebnislokal mittelalterlicher Küche, das Christoffel, sowie die beiden Gasthäuser, Feuerkugel und Zum goldenen Schwan, als Anlaufstelle für hungrige Mägen zu nennen. Letzteres verfügt über einen ruhigen Biergarten im Hinterhof und eigengebrautes Bier. Kleine, feine französische Küche dagegen bietet das Bistrot Chez Laurent.

In den stillen Hinterhöfen von Michaeliskirche und Güldenem Krönbacken gibt es im Sommer auch Kulturprogramm.


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Fotos: A. Perschon



Biereyes Blick auf Michaelisstraße

Johannes Biereye (1860–1949) hat sich neben seiner Tätigkeit als Pädagoge intensiv mit der Geschichte der Michaelisstraße beschäftigt. Er sah die Michaelisstraße als eine harmonische und ästhetisch abgeschlossene Straße, deren Ästhetik sich aus zwei Dominanten zusammensetzt: Michaeliskirche und Alte Universität. Beide hatten für Biereye symbolischen Wert (Wissen und Macht bzw. Glaube und Wissen). In seinen Ausführungen betrachtete und beschrieb ganze fünfzig Häuser nicht nur in ihren Elementen der Baukunst aus, sondern auch aus ästhetisch-künstlerischen Blickpunkt. (1)

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(1) Johannes Biereye: Die Michaelisstraße in Erfurt und ihre Bewohner sonst und jetzt (1925), Sonderabdruck aus Heft 43 der Mitteilungen der Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 1925/26)


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Michaelisstraße
99084 Erfurt

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