Erfurt-Lese

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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Philipp Wilhelm Reichsgraf zu Boineburg

Anette Huber-Kemmesies

Erfurts einstige Blütezeit war bereits vergangen, als Boineburg zum Statthalter ernannt wurde. Die Pest und der Dreißigjährige Krieg hatte die Einwohner dezimiert und die Wirtschaft lahm gelegt.

Dem am 22. November 1656 in Mainz geborenen Sohn eines Diplomaten und Bibliothekars, wurde von seinen Vorgängern eine verwahrloste Stadt, die noch unter den Folgen der Pest und den Intrigen und Fehlgriffen der herrschenden Beamten litt, überlassen. Mit Boineburg aber sollte die Stadt einen neuen Aufschwung erfahren, nicht zuletzt durch die Verbesserung der inneren Zustände. Der einstige Schüler Leibnitz´ war bestrebt, den inneren Frieden durch die Verbesserung von Handel und Handwerk wiederherzustellen und so der Bevölkerung Erfurts einen gewissen Lebensstandard gewährleisten zu können. Seine erste Handlung nach Amtsantritt als Statthalter im Jahre 1703 war eine umfassende Reform des Staatswesens. Dazu erließ er neue Verordnungen und Satzungen, was nur ein unerschütterliches Vertrauen zu seinen Beamten zuließ (und welches er nachweislich auch hatte). Desorganisation und schleppende Bearbeitung durch die Behörden gehörten nun der Vergangenheit an. Beispielhaft für das Bemühen des kurmainzischen Statthalters wird aus seiner Finanzpolitik ersichtlich. Er war über die Maßen bemüht, den Zentralisierungsplänen Mainz´ gerecht zu werden. Er erreichte sogar die geforderten Beträge. Dass dies auf Kosten der Bevölkerung vonstatten ging, ist nur logisch, dennoch bemühte er sich die Landbevölkerung und Armen von den drückendsten Steuerbelastungen zu befreien. Er förderte den Handel und das Handwerk, um das ehemalige Handels- und Handwerkszentrum Erfurt für die Wirtschaft wieder attraktiv zu machen. Dazu wurde das beliebte Brauwesen reformiert und anstelle des einst so berühmten Waidfärbens wurden Wollwebereien errichtet.

Die wichtigste Last, die Boineburg der Bevölkerung nahm, war aber, dass er die kurfürstlichen Soldaten aus den bürgerlichen Häusern ausquartierte, und eigens für sie Kasernen bauen ließ. Die Soldaten nämlich schädigten die Erfurter in ihrer Handwerkskunst durch unzünftige Arbeit und dies sollte nun ein Ende haben.
Auch wenn Boineburg immer im Sinne der Diplomatie zu handeln versuchte, gelang im eines nicht: Erfurts Bewohner zu einen. Dies wird besonders am sogenannten „Liederstreit" von 1712 deutlich. Diese ausufernden Konfessionskämpfe vermochte er nicht zu schlichten, wohl auch, weil er überzeugter Katholik war.

Der kurmainzische Statthalter Philipp Wilhelm Reichsgraf zu Boineburg starb am 23. Februar 1717 an den Folgen eines Schlaganfalls. Ihm zu Ehren wurde eine Straße in Erfurt, entlang des Geragestades benannt: das Boyneburgufer.

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(Quelle: Christian Brodbeck: Philipp Wilhelm Reichsgraf zu Boineburg. Kurmainzischer Statthalter zu Erfurt. (1656-1717))

Wappen: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Boyneburgk-B-Wappen.png&filetimestamp=20080703170828

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