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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Die Geißelfahrer

Die Geißelfahrer

Ludwig Bechstein

Angetrieben von den Bußpredigten des Raineri Fasani, der das bevorstehende Weltende verkündete, zogen bußfertige Anhänger seit dem 13. Jahrhundert scharenweise durch Europa und geißelten sich betend und singend öffentlich. Die Bewegung nahm ihren Höhepunkt, nachdem 1348 mehrere Erdbeben Europa erschüttert hatten und etwa zeitgleich auch die Pest die Bevölkerung dezimierte. Die Geißelfahrer diffamierten die Juden als Brunnenvergifter und Gegner der Christenheit, worauf sie  in Erfurt und anderen Städten Judenpogrome auslösten.

Da die Geißlerbruderschaften sich über Papst und Geistlichkeit stellten, sahen sich Kirche und Landesherren gezwungen, einzugreifen. Unter Strafe wurde die öffentliche Selbstgeißelung verboten und ihre Anführer als Ketzer verurteilt.

 Winfried Neubert


Die Geißelfahrer (592)

Da sich in deutschen Landen die Geißelfahrer auftraten, so kam diese Volksseuche, welche die Köpfe ergriff wie ein Schwindel, auch nach Thüringen, und da rückte eine Schar von nicht weniger als dreitausend Flagellanten auf Erfurt los. Sie gingen Paar auf Paar, waren alle, bis auf die mit Leinwandschürzen gegürteten Lenden, fasernackt, und der vorderste trug eine Fahne; auf den Köpfen hatten sie weiße Hüte, an jedem hinten und vorn ein weißes Kreuz. Sie sangen das bekannte Geißlerlied, warfen sich kreuzweis auf die Erde, knieten auch hin und peitschten sich mit dreistriemigen Riemengeißeln, die in einem mit eisernen Nägeln gespickten Knoten endeten; zweimal des Tages und einmal des Nachts wurde die Geißelung vorgenommen. Es war eitel das ärmste und armseligste Lumpengesindel, welches dieses scheinheilige religiöse Possenspiel aufführte, Männer, Weiber und Kinder.
Geld heischten sie nicht, aber Esswaren ließen sie sich gern reichen. Wenn sie in eine Kirche kamen, machten sie ein so nichtsnutzes Geplärre, dass alles vor ihnen schweigen und verstummen musste. Der Stadtrat zu Erfurt ließ diesem faulen Gesindel sein Stadttor vor der Nase zuschlagen, und es musste Gott danken, dass es bei Jlversgehofen über Nacht lagern durfte.

Einer unter diesen Geißelfahrern trieb die Narrheit so weit, zu sagen, er sei Gottes Sohn; möglich, daß er dieses auch von sich glaubte, es gedieh ihm aber übel, er wurde aufgegriffen und ohne weiteres auf dem großen Markt zu Erfurt verbrannt. Damals lebte ein Poet daselbst, der nannte sich Heinrich von Erfurt, der sang von dieser Zeit und bezeichnete mit wahrem Wort der Geißelfahrer Vaganten- und Flegelantenwesen:

 

Pestis regnavit, plebis quoque millia stravit,

Insolitus populus flagellat se seminudus.

 

***
Quelle: Ludwig Bechstein , Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930

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