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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Erfordia-Lied

Erfordia-Lied

1. Braust der Lenz im Siegessange
Durch mein grün Thüringerland,
Prangt im Tal, am Waldeshange,
Eine Stadt im Brautgewand.
Millionen Blumen glänzen,
Rufen laut: Der Lenz ist da!
Und aus tausend Blütenkränzen
Grüßt mein Alt Erfordia!


3. Stadt der alten Zitadellen,
Stadt der Vierherrn, Stadt des Waid,
Wo sich Rittertreu gesellen
und der Fürsten Herrlichkeit.
Wo vom Steiger Quellen singen
Und der Fink im Waldrevier,
Wächst der Braunkärsch in den Klingen -
Glück und Sonne über dir!


2. Wo die grauen Türme ragen,
Auf zum blauen Himmelszelt,
Grüßt aus längst vergangnen Tagen
Weißes Rad im roten Feld!
Sag, wo sind die alten Sassen,
Schlachtgesang und Waffenstreit?
Um die Giebel, durch die Gassen
Schreitet längst die neue Zeit!


4. Hoch vom Dome tönts hernieder
Erst wie leises Frühlingswehn,
Dann wie Sturm und Jubellieder
Will mirs durch die Seele gehn!
Gloriosa - Welch ein Klingen!
Gloriosa - fern und nah.
Gloriosa will ich singen
Meiner Stadt Erfordia!


Schon der Titel zeigt an, dass es sich bei diesem Lied um eine Lobeshymne auf die Stadt handelt. In der ersten Strophe wird die Blütenpracht der Stadt besungen. Dazu muss man wissen, dass es Anfang am des 20. Jahrhunderts zahlreiche Gärtnereien in Erfurt gab, wovon sich viele auf die Samenzucht von Blumen spezialisiert hatten. Daher stammt auch der Beiname „Blumenstadt“, den Sie vielleicht schon einmal gehört haben. In den folgenden Strophen finden dann das Erfurter Wappen, die Geschichte der Stadt und Erfurts besondere Glocke, die Gloriosa, ihre Würdigung.

Aufmerksam geworden sind bin ich auf das Lied, als im März 2011 eine ehemalige Erfurterin einen Aufruf in der „Thüringer Landeszeitung" startete. Sie berichtete von einem Lied, dass ihre Mutter ihr immer vorgesungen hatte, an das sie sich aber nur noch teilweise erinnern konnte. Darauf meldete sich eine in Thüringen lebende Familie, die im Besitz einer Erfurter Postkarte aus den 1920er Jahren war, auf der jenes Lied vollständig abgedruckt ist. So fand das vollständige Lied damals in die Zeitung.

An dieser Stelle sei Lutz Klingebiel gedankt, der auch im Besitz dieser alten Postkarte ist und sie mir zukommen ließ. Auf dieser Postkarte ist verzeichnet, dass August Hahn das Lied auf die Melodie von „Strömt herbei ihr Völkerscharen" gedichtet hat.

Lutz Klingebiel hat er bereits näher nach dem Autor recherchiert. Seine Nachforschungen ergaben, dass 1913 ein Lehrer namens August Hahn in der zweiten Etage der Gutenbergstraße 56 wohnte. Es lässt sich vermuten das dieser der Autor des Liedes ist. Vielen Dank hierfür!

Tina Romstedt

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