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Geschichten über die Stärken und Schwächen, die Vorzüge und Beschwerlichkeiten des starken Geschlechts. Witzig und erfrischend erzählt, handeln die Erzählungen von den großen Jungs der Provinz, die mit Naivität und Obercoolness überzeugen. 

Frank P. Meyer:
es war mir ehrlich gesagt völlig egal
erzählungen 

Hochstaplerei im Mittelalter

Hochstaplerei im Mittelalter

Zu den angesehenen Adelsgeschlechtern des Mittelalters zählte das fränkische Geschlecht der Hennebergs, deren Grafschaft sich vom Thüringer Wald bis zum Main erstreckte. Wenn also ein Herr oder Graf dieses Adelsgeschlechts nach Erfurt reiste, konnte dies ob der Bekanntheit und Verbreitung des Namens nicht anonym geschehen. Und natürlich standen den Hennebergs auch alle Türen offen. Dies dachte sich vermutlich auch ein junger Mann, der an der Erfurter Universität immatrikuliert werden wollte, und gab sich als einer der Hennebergs aus. Sein Studium, so erzählt die Sage, soll er nicht schlecht gemeistert haben – inwieweit ihm sein Name dabei half, geht daraus nicht hervor.

Anette Huber-Kemmesies

Von einem Schinder

Die Erfurter Universität stand in schönster Blüthe und erfreute sich großen Zulaufs aus allen deutschen Gauen und aus fremden Ländern.

Da begab es sich, als Luther in Erfurt studirte, daß ein feiner, schöner Jüngling, der sich für einen Grafen oder Herrn von Henneberg ausgab, sich immatriculiren ließ. Er hielt sich still und wacker, so daß Jedermann ihn ehrte und daß Rath und Universität Augenmerk auf ihn hatten. Ja er stieg so hoch in deren Gunst, daß man ihn nach einiger Zeit sogar zum Rector der Universität erwählte. Aber es gab sich, daß derselbige Mann ein Henker und Schinder gewesen war. Als das ruchbar wurde, machte er sich eiligst aus dem Staube. Er wäre sonst sehr übel angekommen.

(Nach der Henneberger Chronik 1.5.0.44. ad. 1502)

 

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Quelle: Heinrich Kruspe: Sagenbuch der Stadt Erfurt, Gesamtausgabe von 1877

Wappen der Grafen Hennebergs gemeinfrei