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Tee mit der Königin

Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price.

Vom Fischmäuerlein

Vom Fischmäuerlein

Kaiser Rudolph von Habsburg verweilte fast ein Jahr in Erfurt von 1289 bis 1290. In diesen zwölf Monaten tat er sich beim einfachen Volke als großzügig und gerecht hervor. Er zerschlug die Burgen der Raubritter in Thüringen und befreite die Bürger des Landes von diesen Unruhestiftern.

Während seines Aufenthaltes in Erfurt soll er selbst Gericht gehalten haben. Dabei ließ er – so kann man es deuten – ein Exempel auf dem Fischmarkt statuieren, indem er die vornehmen Räuber Köpfen, ihre Leiber auf dem Markt begraben und mit einer Mauer begrenzen ließ. Die Köpfe der Hingerichteten wurden aufgespießt und Blickten auf das heutige Gildehaus und die damalige Kämmerei. Dies kann als Mahnmal an die durch Gier geweckte Niedertracht gedeutet werden. Die Hinrichtung durch Enthauptung im Mittelalter wurde meistens bei Adligen vollzogen und galt einerseits als ehrenhaft. Andererseits aber wurde den Geköpften dem christlichen Glauben nach der Eintritt ins Jenseits erschwert oder ganz verwehrt, da nur ein unversehrter Leichnam dort aufgenommen wird. Und so war die Strafe doppelt schwer, denn einerseits wurden die Raubritter der adligen Tradition nach hingerichtet, aber ohne Kopf und somit unvollständig begraben.

„Während seines Aufenthaltes in Erfurt setzte sich Kaiser Rudolph öffentlich zu Gericht, [citirte] den Rat[h] und die Gemeinde, hörte beide T[h]eile und vertrug sich gütlich. Auf einer vor dem Rat[h]haus errichteten Bühne, die durch eine Brücke mit dem Rat[h]haussaale in Verbindung stand, ließ er acht der vornehmsten Meutemacher und deren Köpfe auf eiserne Nägel stecken, vier von oben über der Kämmerei und vier nach dem „Stölzel" oder „Wölfen" zu. Die Körper aber wurden auf dem Fischmarkt begraben und die Grabstätte mit einer Mauer umgeben, welche man das „Fischmäuerlein" nannte. Auch wurde daselbst eine Erztafel, auf welcher die Namen der Hingerichteten verzeichnet waren, mit vergraben. Die Mauer ist 1662 abgebrochen worden, die T[h]ür, die damals in den Rat[h]ssaal gebrochen wurde, war noch im Jahre 1830 zu sehen, aber von der erwähnten Tafel fand man bei Fundamentirung des neuen Rat[h]hauses nichts.
(Nach Falkenstein)"

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Quelle: Heinrich Kruspe: Sagenbuch der Stadt Erfurt, Gesamtausgabe von 1877

Vorschaubild: Hjördis Barth
Wappen: gemeinfrei