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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Lutherstein

Lutherstein

Anette Huber-Kemmesies

„Potzblitz und Donnerwetter!" ist ein Kraftausdruck, der seiner Herkunft nach indirekt Bezug auf Gott nimmt. Denn um Gottes Namen nicht zu missbrauchen, wurde aus Gotts(blitz) Potzblitz. Verwendet wird dieser Ausdruck vor allem, wenn man unerwartet erschrocken ist. Also auch, wenn man sich vor einem lauten Knall oder einem Donnerwetter erschreckt.

So oder so ähnlich muss es auch Martin Luther ergangen sein, als er sich als Jurastudent im Jahre 1505 auf dem Rückweg von Mansfeld, wo Luthers Eltern wohnten, nach Erfurt befand. In dem Ortsteil Stotternheim wurde der spätere Reformator angeblich von einem Gewitter überrascht, vor dem er Schutz suchte und sich, Potzblitz und Donnerwetter!, bei einem Blitzeinschlag voller Angst und Schrecken an die Heilige Anna, Mutter Marias mit folgenden Worten gewandt haben soll: „Hilf, du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!" Zum Gedenken an dieses Luther'sche „Gewittererlebnis" wurde an ungefährer Stelle im Jahre 1917 jener Lutherstein aus schwedischem Granit errichtet. Er soll an den Wandel Luthers vom Jura-Studenten zum Mönch erinnern und gilt, was allerdings anzuzweifeln ist, gemeinhin als „Werdepunkt der Reformation". Schon wenige Tage später trat Luther in das Erfurter Augustinerkloster ein.

Ob Luther diesen Schwur wirklich affektiv und aus Schrecken vor Gottesblitz ausgesprochen haben soll, bleibt zu bezweifeln, denn eine Glaubensentscheidung ist ein langwieriger Prozess und keineswegs eine kurz entschlossene Idee. Dennoch spiegelt der Ort der „geweihten Erde”, wie es ebenfalls auf dem Stein geschrieben steht, ein kultur- und welthistorisches Ereignis wider, symbolisiert er doch den Glaubensmut und die Glaubenskraft Luthers.

Zu Zeiten des Sozialismus allerdings wurde der Gedenkstein an den Reformator eher misslich behandelt. Denn bis an den vermeintlichen Ort des „Urknalls der Reformation” heran stapelte sich der Müll der einstigen Deponie Stotternheim.
Davon ist heute natürlich nur noch eine Anhöhe zu sehen, die längst begrünt ist. Sitzbänke und eine Infotafel laden den Besucher oder vorbeifahrenden Radler zum Verweilen ein. Mit ausreichend vielen Parkplätzenhat man auch schon für das Lutherjahr 2017 vorgesorgt.

 

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Fotos: Tina Romstedt