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Erfurter Gärtnerlied

Erfurter Gärtnerlied

Anette Huber-Kemmesies

Erfurt ist allgemein als Blumenstadt bekannt. Der Erfurter Christian Reichardt (1685–1775) gilt als Wegbereiter des modernen Erwerbsgartenbaus; der Däne Niels Lund Chrestensen (1840–1914) etablierte die Samen- und Pflanzenzucht in Erfurt. Doch neben den floralen Schönheiten, die sowohl die Ega als auch die ganze Stadt verschönern, zeichnet sich Erfurts Umland durch den regionalen Gemüseanbau aus. So gehörten bald Kohl, Zwiebeln, Brunnenkresse und die besonders große „Puffbohne", die zum Thüringentag 2.000 zum Stadtmaskottchen erkoren wurde, zu den beliebten regionalen Gemüsesorten, die auf den Märkten feilgeboten wurden. Der Lehrer Wilhelm Schütz pflichtete dem bei und widmete den Produkten und Gärtnern folgendes Lied.

Erfurter Gärtnerlied
(Wilhelm Schütz, 1873)

Kennt Ihr Klingen, die nicht klingen?
Wisst Ihr wohl, was ist ein Jahn?
Ei, das sind die Brunnkressklingen,
Kohlterassen nebenan.
Jedes Kohlkopfs weiße Blume
Blüht zum Segen uns und Ruhme.


Nur in Erfurt ist gut wohnen;
Aber wisst Ihr auch, warum?
Rings um Erfurt blüh'n Puffbohnen,
Unser Stolz und Gaudium.
Fragt in Pommern, fragt in Schwaben,
Solche Bohnen sie nicht haben.

Wollet ihr in summa hören,
Was wir Gärtner alles bau'n?
Gurken, Zwiebeln, Sell'rie, Möhren
Für den Hausbedarf der Frau'n;
Weiß und roth blüht uns're Mohne
Und ihr Haupt trägt eine Krone.


Frühauf sind wir Gärtnersleute,
Ziehn hinaus im Morgenroth;
Und die Gärtnerei schafft Freude,
Legt uns Schinken auf das Brod,
Füllt mit Lagerbier die Flaschen,
Steckt uns Silber in die Taschen.

Hört, Ihr Lilien, hört, ihr Rosen,
Die ihr blühend uns umringt,
Mit dem Gärtner dürft Ihr kosen,
Der von Euren Reizen singt;
Und wir Gärtner, könnt' es glauben,
Schnäbeln sanfter noch als Tauben.

***

Teaserfoto: Tina Romstedt