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Der Roman setzt setzt der Stadt Weimar, vor allem aber dem erhaltenen Torhaus in der Erfurter Straße ein Denkmal.

Das Torhaus
von Helga Dreher

Erbauer der Lehmannsbrücke

Erbauer der Lehmannsbrücke

Anette Huber-Kemmesies

Wer von dem einen Ufer der Gera zum anderen wollte, musste in frühesten Zeiten hindurch „fahren". Die Stelle, an der dies zu allen Jahreszeiten am ehesten geschehen konnte, war da, wo die vier verschiedenen Arme des Flusses sich vereinigt hatten und breit dahin strömten: das war die Furt unterhalb der Schildchensmühle und Furtmühle. Erst im Mittelalter hat man über den Fluss eine Steinbrücke gebaut, die heute noch die Lehmannsbrücke heißt. Das war für jene Zeit eine gewaltige Leistung und schien den Späteren nur auf sagenhafte Weise möglich gewesen zu sein. Der Volksmund erzählt von dem Erbauer folgendes:

Ein Schäfer weidete einst im Andreasfelde seine Schafe. Dabei hatte er ein merkwürdiges Gesicht: Ein Bock und ein Lamm standen am Rosenstocke; das Lamm scharrte mit seinem Fuße in der Erde, und siehe, es leuchtete wie Gold aus dem Boden. Der Schäfer aber grub an der Stelle nach und fand einen großen Schatz. So war er über Nacht reich geworden und beschloss, sich in der Stadt anzusiedeln. Aber den Hirten war es zu jener Zeit nicht erlaubt, in der Stadt zu leben. Da bat er den Rat der Stadt, ihm am Ende der Stadt von der Furt gegen Norden hin das Land soweit zu Lehen zu geben, als er einen Erdenkloß von seiner Schäferschippe zu schleudern vermöge; dafür wolle er eine steinerne Brücke über den Fluss bauen, so dass man jahrein, jahraus trockenen Fußes hinüber und herüber fahren könne.  

Der Rat der Stadt ging auf den Vorschlag ein, und so ward der Schäfer Lehensmann der Stadt. Er stellt sich am Eingange zur Furt auf, wo jetzt die Lehmannsbrücke beginnt und warf mit seiner Schleuder den Lehmkloß bis zur ehemaligen Weißgerbergasse. Auf diesem Gelände ließ er drei stattliche Häuser errichten, die er Zum güldenen Schaf, Zum schwarzen Bock und Zum Rosenstock nannte. In der Nähe seiner Häuser aber ward auf seine Kosten die erste steinerne Brücke über die Gera gebaut, die nach ihm noch heutigen Tages die Lehmannsbrücke heißt.

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Überlieferungen gefunden in:

Schulrat Dr. Kürsten/ Rektor Leineweber (Hrsg.): O du Heimatflur. Eine Heimatkunde der Stadt Erfurt in Einzelschriften. Heft 1. Erfurter Sagen, Kenser´sche Buchhandlung Erfurt (ca. 1940)


Fotos: Romi Tennstedt